Jugendparlamente
Schachbrett mit umgefallener FigurWenn du „Jugendparlament“ hörst, denkst du vielleicht gleich an Politik, Parteien und Wahlen. Da viele Jugendliche sich nicht mit politischen Meinungen unserer Volksvertreter und Parteien identifizieren können und sich oft auch nicht dafür interessieren, schreckt ein so großes Wort ab. Wen wundert es? Selten werden jugendrelevante Themen in der Politik und den Medien diskutiert und wenn, dann oft in einem negativen Kontext. Sei es der wachsende Alkoholmissbrauch unter Minderjährigen oder Vandalismus in Form von Graffiti. Die Liste ist lang. Die Jugend hat dabei wenig Möglichkeit, mitzureden. In Form von Sozialausschüssen wird über sie entschieden, da es keine staatlichen Institutionen gibt, die dich als Jugendlichen direkt zu Wort kommen lassen.

Vor diesem Hintergrund entstand die Idee des Jugendparlaments. Man kann es als Sprachrohr zwischen Politik und Jugend verstehen. Das fängt auf kleinster politischer Ebene an, in den Kommunen. Als Einzelner Jugendlicher kannst du wenig ausrichten, um deine Stadt oder Gemeinde zu verändern. Eine Gruppe mit fester Struktur dagegen hat viele Möglichkeiten, jugendrelevante Themen auf den Tisch zu bringen. Dabei sind die Themen so breit gefächert wie die Jugendkultur selbst. Ein Jugendparlament kümmert sich nicht nur um die Schaffung von Jugendräumen, sondern verbessert auch Freizeitmöglichkeiten mithilfe vielseitiger Projekte.

Im Land Brandenburg wurden in den letzten Jahren auf Initiative von diesen Jugendvereinigungen unzählige Bushaltestellen oder von den Gemeinden freigegebene Wände durch Graffitis verschönert, es wurden Skateranlagen gebaut und viele Partys und ganze Festivals veranstaltet, zum Beispiel das jährliche „Vielfalt und Toleranz“-Festival in Beelitz. Durch Unterschriftensammlungen, die den Politikern der Kommunen vorgelegt wurden, konnten auch Busverbindungen im ländlichen Raum verbessert und Sportplätze gebaut werden.


Die Strukturen eines Jugendparlaments sind meist einfach und leicht verständlich gehalten, um nicht durch übermäßige Bürokratie oder Verklausulierung das Engagement und Interesse anderer Jugendlicher zu hemmen, wobei es keine einheitlichen Bestimmungen für die Gründung, genauso wenig wie für die Bezeichnung dieser Zusammenschlüsse gibt. zwei Mädchen in der NaturJugendparlament, Jugendrat, Jugendforum,... u.s.w. jede Gruppe definiert sich individuell über den von den Gründungsmitgliedern erarbeiteten Leitsatz, der auf die spezielle Gemeinde zugeschnitten ist. Eine einheitliche Vorstellung zum Zusammenhang von Jugendparlament und Politik gibt es nicht. Viele Jugendparlamente bezeichnen sich selbst als überparteilich, andere haben verschiedene Parteien im Rücken, wieder andere arbeiten eng mit Stiftungen zusammen. Einige lassen sich sogar als Verein eintragen, um effektiver arbeiten zu können. Das Angebot ist groß.


Ebendiese immensen Unterschiede machen es allerdings schwierig, dem Ruf nach einem nationalen oder sogar europäischen Jugendparlament nachzukommen, den es, seitdem die Idee „Jugendparlament“ existiert, gibt. So ist es fast unmöglich, alle diese Vereinigungen in einen Topf zu werfen, geschweige denn einen allgemein gültigen nationalen oder europäischen Leitsatz zu entwerfen. Einige Modellprojekte gibt es aber. Das „European Youth Parliament“ zum Beispiel bietet eine Auslegung des Jugendparlaments auf europäischer Ebene. Jugendparlamente haben keine gesetzlich verbindliche Grundlage. Aber dieser Fakt macht auch die Attraktivität eines Jugendparlaments als Form der Jugendbeteiligung aus.
[Dieser Artikel wurde zuletzt am 01.01.1970 von bearbeitet]
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